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Januar 1967 : Chronik 1967/68

08.01.2018
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2 Min

In West-Berlin gründen mehrere Männer und Frauen die "Kommune 1" als Gegenentwurf zum bürgerlichen Familienmodell, lehnen Privateigentum ebenso wie das Leistungsprinzig ab und propagieren statt desssen das Lustprinzip. Mit provokanten Aktionen geben sich die Kommunarden als "Bürgerschreck" Die "Kommune 1" löst sich 1969 auf.

2. Juni 1967 Bei einer Demonstration während des Staatsbesuchs von Schah Mohammad Reza Pahlavi in West-Berlin erschießt der Polizeibeamte Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg. In der Folge gewinnt die Studentenbewegung an Breite und radikalisiert sich.

9. November 1967 Während der Rektoratsübergabe an der Universität Hamburg enthüllen Studenten ein Transparent mit der Aufschrift "Unter den Talaren der Muff von 1.000 Jahren", das sie vor den Professoren hertragen und so gegen die Studienbedingungen sowie eine mangelnde Aufarbeitung der NS-Zeit protestieren. Die Parole wird ein Kernslogan der Protestbewegung.

17./18. Februar 1968 Auf Einladung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) findet im Westteil Berlins ein internationaler Vietnamkongress statt, der sich insbesondere gegen den Vietnamkrieg der USA und deren "Imperialismus" richtet und den Sieg der "sozialistischen Weltrevolution" beschwört. Am zweiten Tag der Veranstaltung ziehen etwa 12.000 Demonstranten auf einem Protestmarsch durch West-Berlin.

2. April 1968 In zwei Kaufhäusern in Frankfurt am Main werden unter anderem von den späteren Mitbegründern der terroristischen "Rote Armee Fraktion" (RAF), Andreas Baader und Gudrun Ensslin, drei Brände gelegt, die nachts ausbrechen. Die Brandstifter werden zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

11. April 1968 Der APO-Vorkämpfer Rudi Dutschke wird auf dem Berliner Ku'Damm von einem Hilfsarbeiter durch drei Schüsse lebensgefährlich verletzt. Eine anschließende Demonstration vor dem Gebäude des Springer-Verlags, dessen Medien der Hetze gegen die Protestbewegung beschuldigt werden, eskaliert in schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei. In den folgenden Tagen weiten sich die Krawalle auf westdeutsche Städte aus; die "Osterunruhen" gelten als die schwersten Auseinandersetzungen, die die Bundesrepublik bis dahin erlebt hat. Dutschke stirbt 1979 an den Spätfolgen des Anschlags.

11. Mai 1968 Bei einem "Sternmarsch auf Bonn" protestieren mehrere zehntausend Menschen gegen die von der Großen Koalition geplanten Notstandsgesetze, die von der APO massiv bekämpft wurde. Die Gesetze werden am 30. Mai vom Bundestag mit Zweidrittel-Mehrheit verabschiedet.

13. September 1968 Auf einem SDS-Kongress in Frankfurt kritisiert eine Vertreterin des zu Jahresbeginn gegründeten "Aktionsrates zur Befreiung der Frau", dass der SDS auch selbst die Diskriminierung der Frauen verdränge. Als die Männer eine Diskussion darüber verweigern, wirft eine Studentin Tomaten auf einen von ihnen - was als Startsignal der neuen Frauenbewegung gilt.

4. November 1968 Eine Demonstration gegen ein Ehrengerichtsverfahren am Berliner Landgericht gegen den APO-Anwalt, späteren RAF-Mitbegründer und heutigen Rechtsextremisten Horst Mahler artet zur sogenannten "Schlacht am Tegeler Weg" aus, nach der am Ende von 130 verletzten Polizisten und 22 Studenten die Rede sein wird. Beobachter sehen in der Straßenschlacht den Wende- oder Endpunkt der 68er Bewegung.