Programm "Neustart Kultur" : Krisenhilfe für die Kulturbranche
Staatsministerin Claudia Roth zieht eine erste positive Bilanz zu Corona-Hilfen für die Kulturbranche. Je nach Pandemieverlauf könnten aber weitere Einbußen drohen.
Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) bewertet die Corona-Hilfen des Bundes für den Kultursektor als erfolgreich. Vor allem das Programm "Neustart Kultur" habe sich bewährt, führte die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) in der vergangenen Woche vor dem Kulturausschuss aus. Die Hilfen stießen in der Branche bundesweit auf große Resonanz, sagte Roth.
Bund stellt mit “Neustart Kultur” rund zwei Milliarden Euro zur Verfügung
Nach den Angaben Roths sind im Rahmen des Programms "Neustart Kultur" mehr als 1,5 Milliarden Euro für konkrete Bewilligungen gebunden (Stand Ende 2021). Von den rund 100.000 eingegangenen Anträgen sei die Hälfte bereits bewilligt. Dies entspreche Mitteln in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro. Davon seien rund 800 Millionen Euro bereits ausgezahlt worden. Insgesamt hat der Bund seit Frühsommer 2020 im Rahmen des Neustart-Programms zwei Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.
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Mit einem Ausgabenvolumen von 2,14 Milliarden Euro wird der Etat von Kulturstaatsministerin Claudia Roth sich weitestgehend auf dem Niveau der Vorgängerin bewegen.
Auch der Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen stoße auf große Resonanz, führte Roth aus. Für die Wirtschaftlichkeitshilfe seien Stand Mitte Januar 2022 rund 24.400 Veranstaltungen registriert worden, für die sich ein maximal mögliches Fördervolumen von etwa 927 Millionen Euro ergebe. Die Wirtschaftlichkeitshilfe kann von Kulturveranstaltungen mit bis zu 2.000 Besuchern in Anspruch genommen werden, deren Besucherzahl pandemiebedingt um mindestens 20 Prozent verringert wird.
Für die Ausfallabsicherung seien bislang etwa 2.270 Veranstaltungen mit einem maximal möglichen Fördervolumen von rund 973 Millionen Euro registriert worden. Die Ausfallabsicherung greift bei Kulturveranstaltungen mit mehr als 2.000 Besuchern im Fall von Absagen oder Verringerung der Besucherzahlen. Es können bis zu 90 Prozent der Einnahmeausfälle ausgeglichen werden. Roth wies darauf hin, dass aktuell auch freiwillig abgesagte Kulturveranstaltungen als pandemiebedingt anerkannt werden und somit Mittel aus dem Sonderfonds beantragt werden können.
Starke Umsatzeinbrüche in der Kultur- und Kreativbranche
Die Staatsministerin betonte, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kultur- und Kreativbranche enorm seien. Nach einer Analyse des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes habe die Branche 2020 einen Umsatzrückgang von 15,3 Milliarden Euro und 2021 von elf Milliarden Euro zu verkraften gehabt. Je nach Verlauf der Pandemie könnten in diesem Jahr weitere Umsatzeinbußen von bis zu elf Milliarden Euro entstehen.