
Die Hisbollah im Libanon : Der Aufstieg der "Partei Gottes" zum Staat im Staat
Joseph Croitoru beschreibt die ideologischen und organisatorischen Entwicklungen der Hisbollah seit ihrer Gründung 1982 im Libanon - bis zum Sturz des Assad-Regimes.
Zu den wichtigsten Mitgliedern der "Islamischen Weltrevolution" und der schiitischen "Achse des Widerstands" zählt die Bewegung "Hisbollah", die "Partei Gottes". Auch wenn diese Organisation immer wieder in unseren Nachrichtensendungen an prominenter Stelle erscheint, findet sich zu ihr im deutschsprachigen Raum wenig Informatives auf dem Buchmarkt, es sei denn, man greift zu wissenschaftlichen Publikationen.
Diese Lücke schließt jetzt auf hervorragende Weise das informative und gut lesbare Buch von Joseph Croitoru. Bekannt geworden ist der in Haifa geborene und in Deutschland lebende Historiker unter anderem mit seinen Publikationen über die palästinensische Terrororganisation Hamas.

Joseph Croitoru:
Die Hisbollah.
Irans Schattenarmee vor den Toren Israels.
C.H. Beck,
München 2024;
183 S., 18,00 €
Kleinere schiitische Gruppen im Libanon bildeten die Vorläufer der Hisbollah, zu den größeren gehörte die konkurrierende pro-iranische AMAL-Miliz. Entscheidend für die weitere Entwicklung war, dass die libanesischen Schiiten die Islamische Revolution 1979 im Iran unterstützt hatten. Sie teilten die Ideen der "Islamischen Weltrevolution" sowie deren Pläne zur "Befreiung Palästinas" und zur Vernichtung des verhassten "zionistischen" Staates Israel.
Als Irans Schattenarmee führt die Hisbollah einen Märtyrerkrieg gegen Israel
Sachkundig beschreibt Croitoru die ideologischen und organisatorischen Entwicklungen, die die Hisbollah seit ihrer Gründung 1982 bis heute durchlief. Pate stand die Islamische Republik Iran, die der "Partei Gottes" mit geheimdienstlichen Informationen und militärischen Aktionen half. Die Politisierung der libanesischen Schiiten führte zu einem wachsenden Einfluss der paramilitärischen Hisbollah auf das politische Geschehen im Land.
Seit den 1990er-Jahren bildete sie einen Staat im Staat, übernahm die politische, militärische und administrative Macht im Süden Libanons und überzog von dort das benachbarte Israel mit zahllosen Raketenangriffen. Vergeltungsschläge folgten. Daraufhin proklamierte "Die Partei Gottes" den Märtyrerkrieg gegen Israel und betrieb Interessenpolitik im Sinne Irans und Syriens. Dass sie die eigene Bevölkerung damit massiven Gefährdungen aussetzte, schien sie nicht weiter zu bekümmern. Überzeugend legt der Autor dar, wie die Anführer der Hisbollah Israel so lange mit Raketenangriffen provozierten, bis die Regierung in Jerusalem diverse Bodenoffensiven startete.
Abschließend schildert Croitoru, wie der Sturz des syrischen Diktators Assad sowie die ausbleibende Militärhilfe aus Russland und Iran zur militärischen Niederlage der Hisbollah führten. Nunmehr besteht zumindest die Chance, dass der 40 Jahre andauernde Krieg zwischen Irans Schattenarmee und Israel beendet werden könnte.
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